Räum­liche Nähe schaffen - Bauen für die medizi­nische Forschung

Das Fachgebiet der Medizin wird immer interdisziplinärer. Gerade deshalb spielt die räumliche Nähe der an Forschungsprozessen beteiligten Wissenschaftler und Ärzten eine sehr wichtige Rolle.

Die Gesundheit prägt das Leben. Zu jedem Leben gehören aber auch Beschwerden oder Krankheit. Dann geht es darum, eine qualitativ hochstehende Versorgung am Puls der Zeit zu erhalten. Das Generationenprojekt Berthold schafft die räumlichen Voraussetzungen, damit die Menschen, die heute für die Gesundheit von morgen forschen, optimal zusammenarbeiten können.

An der Forschung im Bereich der Bildgebung sind beispielsweise bis zu 20 Disziplinen beteiligt, von den Ingenieuren der ETH über die Biomediziner der Universität bis zu den klinisch tätigen Medizinern am USZ. Je näher die beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler räumlich zusammenarbeiten, umso einfacher ist der Austausch zwischen ihnen – der auch einmal ungeplant beim Treffen an der Kaffeemaschine stattfindet. Aus diesen Gesprächen resultieren oftmals die besten Ideen, sagt Prof. Markus Rudin vom Institut für Biomedizinische Technik der ETH, der sein Büro am Hönggerberg hat und den Austausch mit Klinikern vermisst.

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Kurze Wege zeichnen das Hochschulgebiet im Zentrum aus:

UZH            →           USZneu:            3:38      387 Schritte

USZneu      →           ETH:                  5:44      565 Schritte

ETH            →           USZheute:         0:47      83 Schritte    

USZheute   →           UZH:                  2:42      293 Schritte

UZH            →           ETH:                  2:49      304 Schritte


Die räumliche Nähe erleichtert die Zusammenarbeit und Koordination von Forschern gerade in Zeiten, in denen medizinische Wissenschaft immer interdisziplinärer und auch ressourcenintensiver wird. Die spontane Interaktion, das direkte Gespräch sind essenzielle Quellen von Ideen, die die rein sachliche Argumentation am Telefon oder via Skype ergänzen. Davon profitieren die wissenschaftlichen Leistungen enorm. Zudem beschleunigt die räumliche Nähe den Transfer von wissenschaftlichen Erkenntnissen in die klinische Anwendung an Patienten.

Die Menschen, die an bildgebenden Verfahren forschen und mit ihnen in der Diagnose und Therapie direkt mit den Patientinnen arbeiten, sind heute über die ganze Stadt verteilt. Im Zentrum, in Schlieren oder eben auf dem Hönggerberg. Auch heute schaffen es diese Fachleute zwar, den Medizinstandort Zürich an der Weltspitze zu positionieren. Aber je komplexer die Wissenschaft ist, umso wichtiger wird der Austausch zwischen den Disziplinen. Derjenige mit der Klinik dient den Forschern als Realitätsbezug. Nur was den Patienten wirklich dient, soll weiterentwickelt werden. Die Nähe der Forschungslabors und der Ingenieurbüros zu den Betten im Spital ist daher von hohem Nutzen für alle Beteiligten: Forscher, Ärzte und vor allem Patientinnen und Patienten.

 

 

Die folgenden zwei Fallbeispiele zeigen anhand von ausgewählten Gesundheitsthemen, warum es sich lohnt, weiter in die Stärkung des Standorts Zürich Zentrum zu investieren.

 

Biomarker für die Krebsvorsorge

Je früher Krebs erkannt wird, desto grösser sind die Heilungschancen. Prof. Dr. Holger Moch, vom Departement für Pathologie am Universitätsspital Zürich, forscht im Rahmen des Cancer Network Zurich (CNZ) nach Biomarkern für die Evaluation und Prognose verschiedener Krebstypen. Biomarker sind charakteristische biologische Merkmale, die objektiv gemessen werden können und auf eine Krebserkrankung hinweisen. Die Unterscheidung von Biomarkern ist je nach Typus unterschiedlich aufwendig. In jedem Fall sind eine Vielzahl von Disziplinen an deren Bestimmung beteiligt: von den Ingenieuren, die die Messmethodik entwickeln, über die Biologen, die die Proteinketten identifizieren, aus welchen die Biomarker bestehen, bis zu den Informatikern, die die Auswertung und Interpretation aller erhobenen Daten zu Forschungszwecken möglich machen. Um die Bestimmung eines neuen Biomarkers zu ermöglichen, braucht es einen konstanten und intensiven Dialog zwischen all diesen Fachrichtungen. Dank dem Ausbau des Hochschulquartiers im Zentrum wird dieser in Zukunft noch einfacher werden.

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Auch die herkömmliche Diagnose ist Teamarbeit:
Ärzte am Tumorzentrum des USZ.

 

Alzheimer schon vor Ausbruch der Krankheit erkennen

Die beiden Co-Leiter des Demenzzentrums der Universität Zürich, Roger Nitsch und Christoph Hock, forschen zur Alzheimer-Krankheit. Ihr Ziel: Bis zu zwanzig Jahre vor Ausbruch der Krankheit sollen mithilfe von bildgebenden Verfahren die schädlichen Ablagerungen im Hirn erkannt werden. Damit könnte das Fortschreiten der Krankheit gestoppt werden, bevor klinische Symptome ausbrechen. Mit dem rechtzeitigen Einsatz von Immuntherapien, die derzeit in der klinischen Entwicklung sind, könnten Millionen von Patienten weltweit vor dem Ausbruch der Demenz geschützt werden. Dank einem neuen PET/MR-Gerät, welches das UniversitätsSpital Zürich nur wenige Meter neben der Sprechstunde des klinischen Demenzzentrums am Standort Schlieren betreibt, können sie nicht nur die Alzheimer-Plaques sehen, sondern auch die Auswirkungen auf Gehirnstruktur und -funktion. Mit einem Arbeitsplatz in Zürichs Zentrum könnte noch mehr vom Austausch mit Klinikern und weiteren Forschern profitiert werden.

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In der Diagnostik werden modernste Techniken, sogenannte hybride Bildgebungsverfahren wie hier das PET/MR-Gerät, eingesetzt.